25.02.2020 19:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Bergdorf wird Geisterdorf
Nie zuvor wurde in der Schweiz ein Munitionslager dieser Grösse unter so schwierigen Bedingungen geräumt: Das Projekt Mitholz ist laut VBS ein Novum.

Eine fundierte Kostenschätzung ist noch nicht möglich. Klar ist nach Angaben des Verteidigungsdepartements aber schon heute, dass die Räumung im Kandertal mitsamt allen notwendigen Schutzmassnahmen weit über eine Milliarde Franken kosten wird.

Vorbereitung zehn Jahre 

Allein die Vorbereitung wird zehn Jahre in Anspruch nehmen. Viele Schwierigkeiten sind dabei zu bewältigen. Eine vergleichsweise einfache - und zeitlich nahe liegende - Aufgabe ist der Bau einer Notumfahrung, damit der Zugang zu Kandersteg jederzeit sichergestellt ist. Die Felssicherung ist ebenfalls möglich, indem etwa lose Felsbrocken entfernt oder mit Netzen gesichert werden.

Eine weit grössere Herausforderung ist unter anderem die Felsformation «Dreispitz». Sie stellt aufgrund ihrer geologischen Instabilität ein Risiko dar und soll schichtweise abgetragen werden. Die Experten halten das für machbar.

Wo liegt was?

In einer weiteren Phase werden technische Untersuchungen vorgenommen. «Wir hatten bisher kaum Gelegenheit, Munitionsrückstände aus der Anlage zu holen», sagt Projektleiter Hanspeter Aellig. Das soll nachgeholt werden.

Offene Fragen gibt es viele: Wo genau liegt wieviel Munition? In welchem Zustand befindet sie sich? Ist sie gestapelt, oder liegt sie lose in der Anlage? Zu den technischen Untersuchungen gehören auch die Überwachung des Grundwassers und eine laufende Beurteilung der geologischen Situation, während der Dreispitz abgetragen wird.

Dorfbewohner sollen 2031 wegziehen

Länger dauernde Evakuierungen sind in den 2020er-Jahren nicht zu erwarten, auch nicht in der Phase mit den Massnahmen zum Schutz von Strasse und Schiene. Unklar ist, wie letzteres genau geschehen soll. Mehrere Varianten werden diskutiert. Sicher ist, dass sich die Bewohner an viel Lärm, Staub und Baustellenverkehr gewöhnen müssen.

Die Dorfbewohner müssen frühestens 2031 für lange Zeit wegziehen. Denn dann sollen die eigentlichen Räumungsarbeiten beginnen.

Umweltgerecht entsorgen

Ist die Munition einmal im Freien, stellt sich die Frage: Was jetzt? In früheren Jahrzehnten wurde vereinzelt Munition geborgen und gleich vor Ort gesprengt. Das kommt aufgrund der Umweltvorschriften nicht mehr in Frage.

Jeder Munitionstyp muss auf seine Stoffe untersucht und fachgerecht entsorgt werden. Bis zu 3500 Tonnen Munition werden im Berginnern vermutet, darunter Fliegerbomben, Minen, Artilleriemunition, Handgranaten und Treibladungspulver. Der Transport von unsicherer Munition und Sprengstoffen wird eine weitere Herausforderung sein.

Überdeckung als Alternative

Nicht ausschliessen können die Experten, dass während der Räumung «unüberwindbare Probleme» auftauchen. So könnte es sein, dass sich das Risiko für das Räumpersonal als zu gross erweist. Das würden den Abbruch der Arbeiten nach sich ziehen. Auch ist denkbar, dass aus technischen Gründen nur eine Teilräumung möglich ist.

In solch einem Fall wäre die Überdeckung der Anlage eine Alternative, um das Risiko ausreichend zu reduzieren. Auch diese Arbeiten würden etwa zehn Jahre in Anspruch nehmen. Die gesamte Anlage würde mit Gestein überschüttet.

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